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Max Beckmann
(* 12. Februar 1884 in Leipzig; † 27. Dezember 1950 in New York,
N.Y.) war ein deutscher Maler, Graphiker, Bildhauer und Autor. Beckmann griff die Malerei des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts ebenso auf wie die
kunsthistorische Tradition und formte einen figurenstarken Stil, den er ab 1911 der aufkommenden Gegenstandslosigkeit entgegensetzte. Den Künstlergruppen
und Ismen seiner Zeit ging er aus dem Weg. Altmeisterliches Handwerk und klassische Gattungsvielfalt zeigten sich seit dem Ersten Weltkrieg in aufwendig
lasierter Malerei und scharfkantiger Graphik. Der Moderne isb. Picasso und dem Kubismus versuchte Beckmann eine ausgeweitete Räumlichkeit entgegenzusetzen.
Das Säptwerk entwirft eine zugleich erzählende und mythenschaffende Malerei, isb in zehn Triptychen. Besondere Bedeutung kommt Beckmann als prägnantem
Zeichner, Porträtisten (auch zahlreicher Selbstporträts) und als subtilem Illustrator zu. Heinz Berggruen nennt Max Beckmann den bedeutendsten deutschen
Künstler des zwanzigsten Jahrhunderts neben Ernst Ludwig Kirchner.
Leben und Werk
Kindheit
Max
Carl Friedrich Beckmann wurde am 12. Februar 1884 als drittes Kind von Antonie und Carl Beckmann in Leipzig geboren. Die beiden Geschwister Margarethe und
Richard waren wesentlich älter. Die Eltern stammten aus dem Braunschweigischen, wo der Vater ein Müller gewesen war. In Leipzig betrieb er eine
Mühlenagentur. Im pommerschen Falkenburg besuchte der Knabe die Volksschule. Als er elf Jahre alt war, zog die Familie nach Braunschweig um. Hier starb
kurz darauf der Vater. Max Beckmann setzte den Schulbesuch auf den Realschulen in Braunschweig und Königslutter fort. Sein erstes überliefertes Aquarell,
eine Märchenillustration, wird auf 1896 datiert, das erste Selbstporträt auf 1897. Seit dieser Zeit begeisterte Beckmann sich für fremde Kulturen. Er war
ein schlechter Schüler, zeigte aber früh umfassendes Interesse an der Kunstgeschichte. 1899 besuchte er ein privates Internat in einem Pfarrhaus in
Ahlshausen bei Gandersheim. Aus dieser Zeit stammen die ersten überlieferten Briefe und Zeichnungen. Im Winter lief er aus der Anstalt davon. Im Jahr 1900
bestand er die Aufnahmeprüfung der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule in Weimar. Anekdotische Zeichenkunst offenbart sich in Beckmanns frühen Blättern
ebenso wie ein sicheres Formgefühl und die Neigung zum Grotesken.
Jugend
Auf der modern und
liberalen ausgerichteten Weimarer Kunstschule trat Beckmann 1901 in die Klasse des norwegischen Porträt- und Genremalers Carl Frithjof Smith ein, den er
zeit seines Lebens als seinen einzigen Lehrer betrachtete. Von ihm übernahm er die kräftige Vorzeichnung und behielt sie ein Leben lang bei. Zudem lernte
er hier den Frankfurter Maler Ugi Battenberg und, 1902, die Malerin Minna Tube kennen und begründete mit beiden lebenslange Freundschaften. Ein
Selbstbildnis mit aufgerissenem Mund aus dieser Zeit gilt als erste überlieferte Radierung. Das Blatt ist expressiv und verrät den Einfluss von Rembrandt
und Munch. Mit Belobigungsdiplomen für Zeichnen und für Malerei in der Tasche verließ Beckmann 1903 die Akademie und ging für ein paar Monate nach Paris.
Hier beeindruckten ihn vor allem die Werke von Cézanne. Der junge Künstler las und schrieb viel; in Paris entstanden nach einem kurzen Ausflug in den
Pointillismus die Vorstudien für sein ersten chef d’œuvre, das Ölgemälde Junge Männer am Meer. Er reiste nach Amsterdam, in den Haag und nach
Scheveningen, sah vor allem Werke von Rembrandt, Gerard ter Borch, Frans Hals und Vermeer und malte bevorzugt Landschaften. 1904 brach er zu einer
Italienreise auf, die jedoch in Genf endete. Er besuchte Ferdinand Hodler im Atelier und sah unterwegs in Kolmar den damals noch wenig bekannten Isenheimer
Altar. In den Landschaften und Meeresbildern des Sommers setzte sich der Künstler mit der Überwindung des Jugendstils und des europäischen Japonismus
auseinander. Einige dieser Arbeiten zeigen eine eigenständige ausschnitthafte Komposition. Nach Abbruch des Parisaufenthaltes und der Italienreise richtete
sich der Künstler in Berlin-Schöneberg ein Atelier ein.
Frühwerk
Im
Sommer 1905 arbeitete Beckmann an der dänischen Nordsee an seinem Gemälde Junge Männer am Meer. Das Bild ist in einem Stilgemisch gehalten, das
sogar Anstöße von Luca Signorelli und Hans von Maéres aufnimmt; es dominiert freilich der Neoklassizismus. Der Graf Harry von Kessler kann als Beckmanns
Entdecker gelten. 1906 sprach der drei Jahre zuvor gegründeten Allgemeine Deutsche Künstlerbund Beckmann für das Gemälde den Ehrenpreis zu. Er stellte nun
in der Berliner Secession aus und erhielt lukrative Porträtaufträge. Den Tod der Mutter verarbeitete er im selben Jahr in zwei Sterbeszenen in der
Tradition von Edvard Munch. Er heiratete seine Studienfreundin Minna Tube und reiste mit ihr nach Paris und Florenz. Dort malte er als Stipendiat der Villa
Romana das Bildnis meiner Frau mit rosaviolettem Grund; ein flirrendes Porträt Minna Tubes, das heute in der Hamburger Kunsthalle hängt. 1907 zog
Beckmann mit seiner Frau in ein von ihr entworfenes Atelierhaus in Berlin-Hermsdorf. Der Einladung, in die Dresdner Künstlergruppe Die Brücke einzutreten,
lehnte er ab, trat aber der Berliner Secession bei. Der Wille zum Ruhm des jungen Künstlers drückte sich vor allem in forcierten Katastrophenszenerien aus;
Impressionismus und Neoklassizismus vereinen sich hier zu einer brachialen Aktionsmalerei. Den Expressionismus lehnte er ab. Im Kontrast zu seinen
großformatigen Gemälden pflegte Beckmann Interieur und Porträt, vor allem Selbstporträt; diese Arbeiten sind z. T. duftig und atmosphärisch subtil. Schon
in jenen Jahren entstanden zudem Handzeichnungen von altmeisterlicher Vollendung. Die Zeichnung sollte stets das Rückgrat von Beckmanns Kunst bleiben. 1908
reiste der Künstler neuerlich nach Paris und wurde im Herbst Vater des späteren Kardiologen und Altersforschers Peter Beckmann. Im Jahr darauf stellte er
zum ersten Mal im Ausland aus und machte die folgenreiche Bekanntschaft des Kunstschriftstellers Julius Meier-Graefe, der sich bis zu seinem Tod
publizistisch für Beckmann einsetzen sollte. Seit 1909 befestigte der Künstler seinen altmeisterlicher Anspruch zunehmend auch in einem graphischen Œuvre.
Im selben Jahr setzt er im Doppelbildnis Max Beckmann und Minna Beckmann-Tube seiner Beziehung zu der Kollegin und Ehefrau ein Denkmal in der Tradition der repräsentativen Paarporträts à la Gainsborough. Mit veristischen Massenszenarien in kolportagehafter Komposition wie der Szene
aus dem Untergang von Messina stellte er sich in die Rubensnachfolge, wenn auch die Anlage und Ausführung solcher Bilder beim jungen Beckmann einigermaßen unausgegoren blieb. Max Beckmann wollte sich als neokonservatives Gegenmodell zu der um 1910 aufkommenden radikalen Abstraktion von Malern wie Matisse und Picasso sowie der Gegenstandslosigkeit eines Vasilij Kandinskij profilieren. Ebenso wie Max Liebermann oder Lovis Corinth war er auf der Suche nach einer modernen Form der figurativen Malerei. 1910 wurde Beckmann in der Vorstand der Berliner Secession gewählt, war mit seinen 26 Jahren dort das jüngste Mitglied, trat jedoch bald wieder aus und behielt eine Abneigung gegen Künstlervereinigungen. Der Kunsthändler Israel Beer Neumann und der Verleger Reinhard Piper trugen entscheidend zu Beckmanns Vorkriegsruhm bei, der um 1913 seinen Höhepunkt erreichte. Nun trat der neunundzwanzigjährige Maler ganz aus der Secession aus und begründete 1914 die Freie Secession mit. Er hielt sich weiterhin vom Expressionismus fern, zeigte sich aber ebenso wie dieser in Graphik und Malerei von der Großstadt fasziniert. Sein Programm war nun festgelegt: Max Beckmann sollte nie gegenstandslos arbeiten. Vielmehr setzte er sich zum Ziel, das Erbe der klassischen Kunst (Raum, Farbe, hergebrachte Gattungen, Mythologie, Symbolik) auszuweiten. Im März 1912 stipulierte er: »Die Gesetze der Kunst sind ewig und unveränderlich.«
Der Erste Weltkrieg
»Meine Kunst kriegt hier zu fressen«, bemerkte Beckmann im Ersten Weltkrieg, den er
gleichwohl für ein »nationales Unglück« hielt. Der Künstler gab im Krieg keinen einzigen Schuss ab. »Auf die Franzosen schieße ich nicht, von denen habe
ich so viel gelernt. Auf die Russen auch nicht, Dostojewski ist mein Freund.« 1914 diente er als freiwilliger Sanitätshelfer an der Ostfront, im Jahr
darauf in Flandern. Seine Zeichnungen aus dieser Zeit spiegeln die ganze Härte des Krieges wider. Sie begründen Beckmanns neuen, hartkonturierten Stil. Der
künstlerische Umschwung wird flankiert durch die Kriegsprosa der Briefe im Kriege, die noch während des Krieges erschienen. 1915 erlitt der Künstler
einen Nervenzusammenbruch, diente vorübergehend am Kaiserlichen Hygieneinstitut in Straßburg und ließ sich kurz darauf in Frankfurt-Sachsenhausen nieder.
Es zeigte sich nun, dass sein persönlicher Zusammenbruch zugleich ein Neuanfang sein sollte. Die schonungslose Zeichenstil des Krieges wird in Graphik
(besonders Kaltnadelradierung) und Malerei überführt. Im Selbstbildnis als Krankenpfleger betreibt der Künstler nun ebenso eine schonungslose, um äußerste Wahrhaftigkeit ringende Spiegelung seiner selbst, wie er in den Graphikmappen wie dem Lithographienzyklus Die Hölle die Kriegs- und Nachkriegswirklichkeit hartkantig und virtuos zusammengeschachtelt und ihre Substanz offenlegt. Die christliche Ikonographie erhält nun die Aufgabe der Darstellung der conditio humana; ein Gemälde wie Christus
und die Sünderin von 1917 zeigt den gefallenen Menschen und den Jesus der praktischen Ethik.
Nachkriegszeit
Seit Kriegsende wuchsen Beckmanns politische Interessen, zugleich studierte er Geheimlehren wie die Theosophie, die seit der
Jahrhundertwende viele Künstler beschäftigte. Er fasste die Physiognomien seiner Zeit scharf ins Auge, suchte hier aber keinen Realismus, sondern, was er transzendente Sachlichkeit nannte. Das berühmte Bild der Frankfurter Synagoge und des Eisernen Steges entstanden in dieser Zeit. Beckmann war durch seine Freundschaften mit dem Schriftsteller Benno Reifenberg, mit Heinrich Simon, dem Chefredakteur der Frankfurter Zeitung, seine Verbindungen zu dem Kunsthändler Günther Franke, dem Schauspieler Heinrich George und Künstlerkollegen wie Alfred Kubin eng in das intellektuelle Leben seiner Zeit eingebunden. Er schrieb Dramen und Gedichte, die sich nach seinem Tod aus aufführbar und lesenswert erwiesen. Neben der umfangreichen graphischen Arbeit entstanden wieder Selbstportraits, die den Dargestellten zum Chronisten nicht allein seiner selbst, sondern seiner Epoche machten.
Die Zwanziger Jahre
1924 lernte Beckmann in Wien die junge Mathilde Kaulbach kennen, trennte sich von
Minna Tube und machte fortan seine neue Frau unter ihrem Wiener Spitznamen Quappi zu einer der meistgemalten und –gezeichneten Frauen der Kunstgeschichte. Reisen nach Italien, Nizza und Paris, vertiefte Studien, gnostischer, altindischer und theosophischer Lehren lockerten und erweiterten seinen künstlerischen Stil. Zugleich nahm die Farbigkeit seiner Gemälde zu. Seit 1925 leitete er ein Meisteratelier an der Kunstschule des Städel-Museums in Frankfurt. Zu seinen Schülern zählten Theo Garve, Leo Maillet und Marie-Louise von Motesiczky. Gemälde wie Doppelbildnis Karneval oder Italienische
Phantasie reflektieren die Beruhigung der politischen Verhältnisse ebenso wie die bösen Vorahnungen auf ein baldiges Ende der Goldenen Zeit. In dem spektakulären Bild Galleria Umberto ahnt der Künstler bereits 1925 den Tod Mussolinis. Beckmanns Biograph Stephan Reimertz spricht vom Vorgesicht des Künstlers. Auf dem Höhepunkt der Weimarer Republik gab Beckmann sich indes noch einmal staatstragend als Stresemann-Deutscher. 1927 malte er das Selbstbildnis im Smoking und schrieb einen Aufsatz mit dem Titel Der Künstler im Staat.
Beckmanns Selbstbewusstsein wird allgemein bestätigt. 1928 erreichte sein Ruhm in Deutschland den Höhepunkt mit dem Reichsehrenpreis Deutscher Kunst und
einer umfassenden Beckmann-Retrospektive in Mannheim. Seine Kunst zeigt nun grandiose Formvollendung; sie verrät zudem den mondänen Erotiker, der Beckmann
immer gern sein wollte. Diese Rolle ist eine der vielen Masken, hinter der ängstliche und sensible Künstler sich versteckte. 1930 zeigte die Biennale in
Venedig sechs Bilder von Beckmann. Zugleich wurde der Künstler von der national-sozialistischen Presse heftig angegriffen. In Paris fand er kurzfristig
eine gewisse Beachtung unter Intellektuellen, die sich sowohl vom Surrealismus, als auch von der Dominanz von Matisse und Picasso zu lösen suchten. 1932
richtete die Berliner Nationalgalerie in der Neuen Abteilung im Kronprinzenpalais einen Beckmann-Saal ein. Der Künstler begann in diesem Jahr mit dem
ersten von zehn Triptychen. Unter dem Namen Abfahrt begonnen, stellte er es Jahre später als Departure fertig.
Drittes Reich und Emigration
Im April 1933 wurde Beckmann fristlos aus seiner Professur an der Frankfurter
Städelschule entlassen. Seine Schüler hatten keine Möglichkeit mehr, sich künstlerisch zu betätigen; später sprach man von einer Verschollenen Generation.
Einige ihrer Werke wurden von den Nazis auf dem Römerberg verbrannt. Der Beckmann-Saal im Kronprinzenpalais wurde aufgelöst. Max Beckmann war den Nazis
einer der meistverhassten Künstler; sie schmähten ihn nun in den vielen Propaganda-Ausstellungen, die in ganz Deutschland begannen. Der Künstler verließ
Frankfurt und lebte bis zu seiner Emigration in Berlin. Er lernte den Schriftsteller Stephan Lackner kennen, der ihm ein treuer Freund, Sammler und
Interpret bleiben sollte. In dieser Zeit malte Beckmann auch viele anekdotenhafte Bilder wie Ochsenstall und Der kleine Fisch, und
Selbstbildnisse wie jenes mit der schwarzer Kappe oder mit der Glaskugel, die die Unsicherheit seiner Situation reflektieren und zu überspielen versuchen.
Auch begann er nun eine plastische Arbeit und schuf die Bronze Mann im Dunkeln, in der sich seine Position als unerwünschter Künstler manifestiert.
Im Juli 1937 fand in den Münchner Hofarkaden unter dem Titel Entartete „Kunst“. die prominenteste der Nazi-Ausstellungen gegen die moderne
Kunst statt. Nach der Rundfunkübertragung von Hitlers Rede zur Eröffnung der gleichzeitigen Großen Deutschen Kunstausstellung in München hat Max Beckmann Deutschland für immer verlassen. Im selbstgewählten Exil Amsterdam malte er Selbstportraits wie Der Befreite,
auf dem er Ketten sprengt. Tief verrätselte Bilder und weitere Triptychen prägen sein Exilwerk. Er hielt Kontakte zu deutschen Widerstandskreisen, musste
sich Musterungen der deutschen Wehrmacht unterziehen und bewarb sich seit 1939 um ein Visum für die Vereinigten Staaten.
Letzte Jahre
Erst im Sommer 1947 erhielten Max und Quappi Beckmann Visa für die USA. Seit Ende September lehrte der
Künstler an der Art School der Washington University in St. Louis. Zu seinen amerikanischen Schülern gehörten Walter Barker und Jack Bice. Im Mai 1948
zeigte das Art Museum in St. Louis eine große Beckmann-Retrospektive. Der Sammler Morton D. May begann mit dem Aufbau seiner Beckmann-Sammlung, heute der
umfangreichsten der Welt. Neben Reisen quer durch die USA und Lehrtätigkeiten in Boulder, Colorado und Carmel, Kalifornien nahm Max Beckmann Ende 1949 eine
Professur für Malen und Zeichnen an der Art School des Brooklyn Museums in New York an. Es fiel ihm zunehmend schwer, seine Kunst gegen die inzwischen
populäre gegenstandslose Malerei durchzusetzen. Am 27. Dezember 1950 starb Max Beckmann an einem Gehirnschlag mitten auf der Straße downtown Manhattan.
Sein zehntes Triptychon, Amazonen, blieb unvollendet.
Preise
Max Beckmann ist heute der
teuerste deutsche Künstler. 2001 wurde sein Selbstbildnis mit Horn in New York für 22,6 Mio Dollar versteigert.
Zitat
»Max Beckmann gehörte der Generation von Picasso, Franz Kafka und Arnold Schönberg an. Er zeichnete, malte in Öl
auf Leinwand, beherrschte alle Techniken der Graphik und modellierte sechs mittelgroße und zwei kleine Skulpturen. Sein stimmungsvolles Frühwerk steigerte
sich um 1907 zu dramatischen Katastrophenszenarien bis hin zu dem großformatigen Gemälde Der Untergang der Titanic von 1912. Im Ersten Weltkrieg ließ der Maler seine gigantischen Visionen platzen; die riesige Auferstehung von 1916 hängt in Fetzen, die der Künstler nicht mehr zum Bild verbinden mochte. Die Formate wurden nun kleiner, die Figuren klar und hart. Das Elend der Nachkriegszeit stellte Beckmann dann in virtuosen graphischen Zyklen dar. In den zwanziger Jahren wurde der Maler berühmt; mit feinem Pinsel erzielte er nun einen abstrahierenden klassizistischen Meisterstil. Doch alle Brillanz und Plastizität seiner Werke war für diesen Künstler nur ein Medium, durch das andere, verborgene Welten durchscheinen sollten, ein Gefährt zur Annäherung an das Unaussprechliche. Beckmann baute seine ausgewogenen Bildkonstruktionen aus einem Gitter von schwarzen Linien auf, die er in Bleistift und Kohle direkt auf die Leinwand vorzeichnete. Um 1930 brachen diese schwarzen Striche als Umrisslinien aus den Figuren hervor. Beckmanns Gestalten gewannen damit zusätzliche Wucht und Kraft, der Stil der späten zwanziger Jahre weitete sich aus. Nun wandte sich der Maler immer mehr dem alten Adam und den alten Göttern zu. Vom Anfang der dreißiger Jahre bis zu seinem Tod im Jahre 1950 malte er neun Triptychen, die Gegenwart und Vergangenheit, Gesellschaft und Mythos vereinen. Beckmann wählte die dreiteilige Form der Altäre des Mittelalters. Der moderne Künstler wollte dem irdischen Leben, das er in allen seinen Erscheinungsformen zeigte, eine sakrale Dimension gewinnen und eine neue Religion stiften, fern von jedem Kirchenglauben.«
Stephan Reimertz: Eine Liebe im Portrait,
2002
Quelle: Wikipedia - Zum Originalartikel -
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